Heute könnte das Züchterleben nicht schöner sein…

Die Gewichtszunahme aller Welpen ist heute sehr positiv. Alle haben zugelegt, überwiegend sogar sehr kräftig. Anton hat noch nicht ganz gezündet, hat aber bisher kontinuierlich zugenommen.

Nach dem Messen von Aimy hätte ich einen Purzelbaum vor Freude schlagen können. Sie hat innerhalb eines Tages etwas über 10% Gewicht zugelegt. Schon beim Untersuchen der Maus war erkennbar, dass sie für die Thermoisolation wichtiges Unterhautfettgewebe aufgebaut hat.

Die alte Schule der Hundezucht rümpft jetzt bestimmt die Nase: „Die Natur regelt das von alleine!“ – „Wer zu schwach ist zum Überleben, scheidet eben aus dem Rennen aus!“ –  „Das hat schon seinen Sinn, wenn ein Welpe nicht überlebt!“ –  „Die Auswahl der Stärksten erfolgt zum Wohl der Spezies/Rasse“. Ich höre diese Kommentare aktuell ständig, wenn ich nach dem Wohl der Welpen gefragt werde.

Diese Ansicht macht mich genau so traurig wie ewig gestrige Ansichten bei der Jagd und der Umgang mit Tieren in unserer Gesellschaft allgemein. Wozu forschen wir intensiv in Wildforschungsstellen und Forstwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten, wenn wir uns anschließend auf Weisheiten wie: „Das war schon immer so…“ zurückziehen und nichts an unserem Verhalten ändern. Traditionen sind sehr wichtig in unserem Sozialgefüge. Sie dürfen aber doch keine unverrückbaren Tatsachen und Wahrheiten sein! Wissen von heute ist häufig der Irrtum von morgen. Ich habe in der Medizin mehrfach erlebt, wie so mancher Glaubenssatz gefallen ist. Es war, langfristig betrachtet, fast immer zum Wohl der Betroffenen!

Bei der Hundezucht ist das auch nicht anders. Wir wissen heute, dass die Erbanlagen eines Individuums nicht ausschließlich bestimmen, wie es sich an die Umwelt anpasst. Vieles wird durch die Epigenetik festgelegt und gebahnt. Äußere und „innere Einflussfaktoren“ verändern die Eiweißzusammensetzung in den Zellen und fördern so das Ablesen bestimmter Erbanlagen oder legen diese still. Dieses Proteom (Summe aller Eiweißkörper in den Zellen) macht uns erst zu dem, was wir im Moment sind. Und vielmehr wie wir uns in der Zukunft entwickeln. Das Genom  stellt nur die Summe der Möglichkeiten dar, bestimmte Eiweißkörper in vorbestimmter Menge und Qualität herzustellen. Welche Einflussfaktoren auftreten, wird vom sozialen und natürlichen Umfeld (Licht, Wärme, Tageszeit, Sauerstoffgehalt) und vielfach von reinen Zufällen festgelegt.

Wird die Eizelle später befruchtet, erreicht sie später die Tracht (Gebärmutter), nistet sich die Anlage später ein, bekommt sie ein Platz, der weniger gut versorgt wird durch die mütterliche Blutversorgung, löst sich die Plazenta zu früh, ist die Sauerstoffversorgung während des Geburtsvorgang zu knapp, klappt die Abnabelung nicht so schnell, so dass ein Blutverlust beim Welpen entsteht. All das sind entscheidende Faktoren, wenn es um die Startposition ins Leben und die Chancen im Welpenrudel geht. Überwiegend sind das reine Zufälle! In der Natur ist der „Schwund“ durch solche Zufälle einkalkuliert. Das kann man hinnehmen, muss das aber mit den heutigen Erkenntnissen nicht. Eine logische, wissenschaftliche Begründung, in die Abläufe nicht einzugreifen, gibt es nicht!

Ermöglicht man den Welpen ein entspanntes Aufwachsen ohne größere Stressoren, erfolgt eine andere Entwicklung als im fortwährenden Kampf ums Überleben. Sicher unterscheiden sich Welpen hier nicht von anderen Säugerbabys inklusive des Menschen. Bei diesem wissen wir ziemlich genau: Mit größerer Wahrscheinlichkeit wachsen psychisch ausgewogenere Individuen auf, wenn ein positives „emotionales“ Umfeld sie prägt. Auch die Hirnfunktionen sind eine Sache der „Eiweißprogrammierung“.

Aus der Präventionsforschung wissen wir, dass es besser ist, Krankeiten durch gesundes Verhalten zu verhindern, als diese zu behandeln. Treten diese trotzdem auf, sollten sie möglichst früh erkannt und behandelt werden. Häufig ist damit ein günstigerer Verlauf zu erreichen.

Insbesondere bei Babys bleibt eine Störung lange stabil bis sie dann aber um so schneller in einen rasantem Verfall übergeht. Ein tödlicher Ausgang ist dann trotz medizinischem Eingreifen nicht immer zu verhindern. Auch das ist beim Hund nicht anders als beim Menschen. Frühes, sanftes Eingreifen bei „Auffälligkeiten“ ist deshalb schlauer als ein lässiges Abwarten! Denn, wer zu spät kommt, den bestraft (leider zu oft) das Leben!